Neuigkeiten zu Lithium

Prof. Dr. med. Gregor Hasler, UPD Bern
Präsident der Schweizer Gesellschaft für Bipolare Störungen

Lithium gehört zu den wichtigsten und wirksamsten Medikamenten bei der Behandlung der Bipolaren Störung. Vor allem in der Frühphase, bei episodischen Verlauf und zur Vorbeugung depressiver und manischer Episoden hat es sich als sehr wirksam erwiesen.

In diesem Jahr sind wichtige neue Studien zu Lithium publiziert worden. Eine dänische Studie weist darauf hin, dass Lithium nicht nur bei bipolaren Störungen wirksam ist, sondern auch Demenzen vorbeugen kann  (Kessing, Gerds et al. 2017). Die Forscher untersuchten 73’731 Patienten mit Demenz und 733'653 gesunde Kontrollpersonen, was einer extrem grossen Stichprobe entspricht und auf die hohe Qualität der Studie hinweist. In Dänemark gibt es Regionen, in welchen das Trinkwasser mehr oder weniger Lithium enthält (der Gehalt ist im Vergleich mit einer Lithium-Therapie überall extrem gering). Personen, die in Lithium-reichen Gebieten wohnten, hatten ein geringeres Demenz-Risiko, als solche aus Lithium-armen Regionen. Dieser Befund bestätigt frühere Forschung, die nahe legte, dass Lithium neuro-protektiv ist (das Hirn schützt) und dass Lithium das Lernen und das Gedächtnis stärkt. Die vorbeugende Wirkung betraf alle Demenz-Formen und war nicht spezifisch für die Alzheimer-Krankheit.

Dieser Befund ist erfreulich für alle Menschen, die mit Lithium behandelt werden. Sie sind mit ihrer Behandlung nicht nur von Depressionen und Manien geschützt, sondern senken mit der Behandlung auch ihr Demenz-Risiko, das bei unbehandelten Bipolaren Störungen erhöht ist. Die Studie zeigte übrigens auch, dass auch hohe Mengen von Lithium im Trinkwasser Bipolare Störungen nicht verhindert  (Kessing, Gerds et al. 2017). Zur Vorbeugung und Behandlung Bipolarer Störungen braucht es deutlich höhere Dosierungen.

Eine andere neue Studie belegt, dass Lithium wirksamer ist als andere Medikamente bei der Verhütung von Suiziden bei der Bipolaren Störung (Song, Sjolander et al. 2017). Bei dieser Studie wurden 50'000 bipolar Betroffene untersucht, was auf die hohe Qualität der Studie hinweist. Bei erhöhtem Suizidrisiko sollte deshalb ein Therapie-Versuch mit Lithium erfolgen. Vermutlich bieten bereits relativ geringe Mengen von Lithium einen Schutz vor Suizid. Die Wirksamkeit nimmt mit höherer Dosierung zu.

  • Kessing, L. V., T. A. Gerds, N. N. Knudsen, L. F. Jorgensen, S. M. Kristiansen, D. Voutchkova, V. Ernstsen, J. Schullehner, B. Hansen, P. K. Andersen and A. K. Ersboll (2017). "Association of Lithium in Drinking Water With the Incidence of Dementia." JAMA Psychiatry.
  • Kessing, L. V., T. A. Gerds, N. N. Knudsen, L. F. Jorgensen, S. M. Kristiansen, D. Voutchkova, V. Ernstsen, J. Schullehner, B. Hansen, P. K. Andersen and A. K. Ersboll (2017). "Lithium in drinking water and the incidence of bipolar disorder: A nation-wide population-based study." Bipolar Disord.
  • Song, J., A. Sjolander, E. Joas, S. E. Bergen, B. Runeson, H. Larsson, M. Landen and P. Lichtenstein (2017). "Suicidal Behavior During Lithium and Valproate Treatment: A Within-Individual 8-Year Prospective Study of 50,000 Patients With Bipolar Disorder." Am J Psychiatry 174(8): 795-802.